Wie schafft man es, dass in der Mannschaft erst überhaupt keine negative Stimmung aufkommen kann? Man gewinnt einfach das Turnier.
Danach sah es am Anfang aber nicht wirklich aus. Ich natürlich gestern zu spät eingeschlafen, nicht gut geschlafen und somit vollkommen gerädert aufgestanden. Kreislauf war quasi nicht vorhanden und an Essen war nicht zu denken, aber man ist ja nicht wählerisch.
Die ersten Bewegungen in der Halle waren ziemlich wackelig und nach drei Blocksprüngen ging mir schon ziemlich die Puste. Immerhin habe ich bemerkt, dass das Netz wohl nicht so hoch hängt, wie sonst, ich konnte immerhin mit den Ellenbogen die Netzkannte erreichen. Also gute Ausgangsituation für gute Blocks mit viel Übergreifen. Die ersten Spiele waren schwer. Ich habe mich schlecht gefühlt und den anderen ging es nicht anders, so hat Heiko dann ziemlich früh zu alter Form gefunden. Ich habe eh Tunnelblick aufgehabt, zum einen wegen dieser unheiligen Uhrzeit, zum anderen, weil ich mich auf nichts einlassen wollte. Ich habe ihn dann halt machen lassen, war mir echt egal. Von den ersten vier Sätzen konnten wir einen gewinnen, aber der sollte reichen. Denn zum Glück konnte in der Dreiergruppe eine Mannschaft gar keinen Satz gewinnen, mit, zugegeben, sehr viel Glück, aber so konnten wir dann sehr souverän in die Hauptrunde einziehen.
Nieder-Olm scheint von Natur aus ein sehr gutes Pflaster für uns zu sein. Also haben wir mal losgelegt. Nachdem ich dann gegen 13.00 Uhr auch vollends wach war und zu halbwegs akzeptabler Leistung gefunden habe, ging es gegen Alzey ran. Erster Satz, ziemlich schnell hintengelegen mit fünf, sechs Punkten und dann habe ich mal kurz den Turbo eingeschalten. Ich lobe mich ja eigentlich nicht gerne selbst, aber da habe ich einfach eine bärenstarke Phase gehabt. Mit purem Willen und sensationellem Volleyball konnten wir dann sogar in Führung gehen um diesen Satz dann zu gewinnen, es ging übrigens auf Zeit, um dann die Gegenwehr im zweiten Satz des Gegners vollends zu brechen.
Also Halbfinale gegen Klein-Winternheim. Sehr solides Spiel, aber auch relativ ausgeglichen und eng. Die gute Leistung hat sich dann mehr und mehr auf die ganze Mannschaft verteilt, gut so, weil ich ziemlich auf dem Zahnfleich gegangen bin nach dem Alzey-Spiel. Aber wir haben hinten gut gearbeitet und vorne die Punkte gemacht. Leider haben wir dann gegen Ende der ersten zehn Minuten zwei, drei Punkte leichtfertig abgegeben und so den ersten Satz mit einem Punkt verloren, den wir dann im zweiten aufholen mussten. Haben wir dann auch so gemacht. Die Punkte waren zwar ein wenig unorthodox, so Nils relativ entscheidender Angriffsbagger der gegnerischen Angabe direkt kurz in den Drei-Meter-Raum. Erhöhte Adrenalinkonzentration scheint wohl immer ein wenig dabei zu sein, aber es wäre ja auch langweilig, wenn nicht.
Somit, Finale. Gegen den Gegner aus unserem ersten Spiel, wo wir so sang- und klanglos untergegangen sind. Aber nicht hier und nicht jetzt. Ich liebe diese Atmosphäre, viel Zeit vor dem Spiel, das Feld quer in der Halle und alle Anwesenden schauen zu, nicht unbedingt unterstützend, aber ich halte es da eher wir Oliver Kahn. Somit schön warm gemacht vor dem Spiel und dann nochmal runterkommen und konzentrieren. Um dann gleich von vorne 110% zu geben. Und so haben wir es dann auch gemacht, der Gegner lag mir persönlich sehr gut, die haben viel mit Auge gespielt und lange Bälle in die Ecken probiert, aber wenn ich Eins bis an mein Lebensende beherschen werde, dann Stellungsspiel auf dem Volleyballfeld. Jeden kritischen Ball konnte ich auf der einen Seite und der entsprechende Abwehrspiele auf der anderen Seite bei uns einfach ablaufen und kontrollieren, somit war der erste Satz ziemlich ungefährdet, weil vor allem die Frauen auf den Aussen Überragendes geleistet haben. Colline hat ganz böse gewütet im Angriff und ziemliche Granaten ausgepackt. Der erste Satz ging dann zu 11 an uns, es wurden hier zwei Gewinnsätze gespielt.
Im zweiten Satz konnten wir uns Dank sensationeller Aufschläge von Colline und dem Rest einen Vorteil verschaffen bis es dann etwa 19:12 stand und ich mich, so ziemlich das erste Mal überhaupt, in einem Spiel verletzt habe. Oder zumindest ausgewechselt werden musste. Im Ballwechsel, normaler Sprung und auf einmal mach die rechte Wade einfach zu und es geht nichts mehr. Da wir unsere Auszeit schon genutzt hatten, musste ich ausgewechselt werden und Julie durfte Mitte spielen. Bis sie da halbwegs reinkam, hat der Gegner schon fast ausgeglichen gehabt. Ich habe meine Wade unter Kontrolle bringen konnten, war wahrscheinlich nur ein Krampf, weil ich nicht wirklich viel gegessen hatte über den Tag und so konnte ich wieder spielen, was vor allem den psychologisch positiven Effekt, dass die Mannschaft nicht mehr so verunsichert war. So konnten wir dann auch ohne grosses Eingreifen meinerseits den Satz, das Spiel und das Turnier gewinnen. Und den Titel verteidigen, so nebenbei.
Ich bin jetzt ziemlich tot, meine Beine spüre ich kaum noch, die Schulter wird sich heute Nacht melden, aber ansonsten ist alles gut. Was ich nach der jüngsten Entwicklung nicht wirklich erwartet hatte. Es war also eigentlich ein ziemlich schöner Tag, allerdings hat sich an den letzten Ereignissen und meiner Einstellung dazu nicht viel geändert. Dazu ist mehr nötig.
2 Comments
ohne viele weitere worte zu verlieren, hier nur an dieser stelle anzumerken: die TEAM-LEISTUNG war GRANDIOS! da stand MEIN TEAM auf dem feld und es war EIN ZUSAMMENHÄNGENDES GEFÜGE! vielen dank für diese erfahrung!
Wort…